Chonik der Feuerwehr Neschwitz

 

 

"Aus dem Buch „Gemeindechronik Neschwitz“, Erscheinungsjahr 2008, ISBN 3-930625-50-4"

 

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Neschwitz

Oberbrandinspektor Arnulf Sachße

 

Die Gemeinde Neschwitz besteht heute aus 17 Dörfern. In einigen Dörfern existierten bereits vor den Gemeindegebietsreformen selbständige Freiwillige Feuerwehren. Die heutige Ortsfeuerwehr Luga ist 1878 gegründet worden und damit die älteste in der Gemeinde Neschwitz. 1920 wurde die Freiwillige Feuerwehr Saritsch gegründet, die heute als Ortsfeuerwehr Saritsch ihren Fortbestand hat. In Zescha gründete man 1924 ebenfalls eine FFw. Weil in diesem Dorf die Ortsfeuerwehr Neschwitz alle Aufgaben übernommen hat, gehen die dortigen Kameraden nach Neschwitz zum Dienst und das Gerätehaus wird nur noch als Außenstelle geführt. Auch das Dorf Doberschütz hatte eine eigene Freiwillige Feuerwehr. Leider sind hier die Feuerwehraktivitäten ganz eingeschlafen. Feuerwehrgerätehäuser gab es auch in Caßlau, Holschdubrau und Übigau. Ob es hier auch einmal selbständige Freiwillige Feuerwehren gab, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich möchte die Schilderungen auf Neschwitz selbst beschränken.

 

Solange das Feuer die Menschen peinigt hat, haben sich Menschen gefunden, die Brände zu bekämpfen. Erste Aufzeichnungen über das Löschwesen in der Gemeinde Neschwitz finden wir in einem Übergabeprotokoll vom 20. November 1861, in dem es heißt:

 

"Verzeichnis derer an den selbständigen Schmiedemeister Johann Bähr in Neschwitz übergeben zur herrschaftlichen Feuerspritze gehörigen einzelnen Gegenstände:

Eine Feuerspritze, rot angestrichen, gezeichnet Dominium Neschwitz, auf 4-rädrigem Wagengestell mit hölzernen Achsen, mit 2 metallenen Zylindern mit Lederkolben, 2 hölzerne Siebkästen und Doppeldruckwerk."i

 

Neben einer detaillierten Auflistung des Zubehörs beinhalteten eine Reihe von Paragraphen genaue Vorgaben zum Verhalten im Brandfall und bei Pflegearbeiten sowie für die Vergütung.

 

So sollte sich der Spritzenmeister Johann Bähr sofort nach gegebenem Feuersignal oder sonst er­folgtem Aufruf, versehen mit dem Schlüssel zum Utensilien-Kasten, nach dem herrschaft­lichen Wirtschaftshofe zu begeben. Er musste die Abfahrt der Spritze überwachen, diese ver­se­hen mit allen zugehörigen Löschgeräten nach dem Ort des Brandes begleiten und deren Tätigkeit beschleunigen. Mit Verleihung von Spritzenschläuchen an andere Spritzen sollte der Spritzen­meister möglichst zurückhaltend umgehen. Für das jedmalige Reinigen, Einölen und Schmieren der Spritze und sämtlicher Zubehörungen - inklusive der Bereitstellung von gutem Baumöl und Wagenschmiere wurden zwanzig Neugroschen gezahlt. Der Lohn für die Spritzenbegleitung beim Löschdienst und für die Bedienung beim Feuer während des Tages erhielt man fünfzehn Neugroschen, für Einsätze während der Nacht sogar einen Taler.

 

Ein aufgefundenes Protokoll über eine Zusammenkunft von Gemeindevorständen der näheren Umgebung sowie Ratsmitgliedern von Neschwitz vom 25. Januar 1864 befasst sich mit der Durch­setzung der gesetzlichen Verordnung zur Bildung von Feuerlöschverbänden (23. August 1862).ii Aus dieser Niederschrift geht hervor, dass alle Anwesenden einverstanden waren, einen derartigen Verband unter sich zu bilden. Die Majoratsherrschaft vom Rittergut Neschwitz war je­doch nicht bereit, mit ihren eigentümlichen Feuerlöschgerätschaften diesem Verband beizutreten.

 

In den folgenden Jahren muss dieser angestrebte Feuerlöschverband dennoch zustande gekom­men sein, da die Majoratsherrschaft laut dem Gemeindeprotokoll vom 25.November 1877 auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Verband verzichten wollte. Im weiteren Verlauf der Gemeinderatssitzung konnte jedoch die Zurückhaltung der Majoratsherrschaft abgebaut werden, die namentlich der Pächter Gude durch seine Unzuverlässigkeiten beim Bespannen der Spritze herbeigeführt hatte. Die Gemeinde war bestrebt, die zur Bedienung der Spritze nötige Mann­schaft in der Stärke von 24 Mann einschließlich Reserve zu gewinnen und den Transport der Spritze und des Mannschaftswagens zu sichern. Schließlich wurde vom Ökonomieverwalter Stein­metz erwähnt, dass die Herrschaft beabsichtigt, in nächster Zeit eine neue, leicht transpor­table Spritze anzuschaffen. Der Gemeinderat erklärte sich bereit, sich mit „namhaften Mitteln“ zu beteiligen.

 

In der kleinen Druckschrift „Schloß Neschwitz seine und seiner Besitzer Geschichte“, herausgegeben zum 30. Verbandstag Lausitzer Feuerwehren in Neschwitz 1904 heißt es: „Im März des Jahres 1880 wurde ... eine uniformierte Spritzenmannschaft in der Stärke von 13 Mann gegründet und der Schmiedemeister August Möhle aus Neschwitz zum Spritzenmeister und Führer dieser mit Helm und Joppe ausgerüsteten Mannschaft ernannt." In den folgenden Jahren wuchs die Mannschaft auf 24 Mann an. Die Ausbildung der Mannschaften wurde verbessert. 1888 wurde dann die eigentliche Freiwillige Feuerwehr Neschwitz gegründet und eine neue Verbandspritze angeschafft. Bereits im September des gleichen Jahres konnte nach bestandener Prüfung vor der Verbandskommission die Wehr in den Verband der Lausitzer Feuerwehren aufgenommen werden.

 

Bei Alarm rückte die FFw Neschwitz damals mit einer von Pferden gezogenen Handdruckspritze aus. Mühelos konnte mit ihr, so berichtet man in der Chronik, bis auf die Dachfirsten des damaligen Schlosses gespritzt werden. Die Holme dieser Spritze wurden von zehn Feuerwehrmännern auf- und abwärts bewegt. Nachdem bei Alarm die Hornisten durch Neschwitz geeilt waren und mit hellem Klang nachts die Neschwitzer durch ihre Hornrufe

 

"Feuer - Feuer, Wasser her ! Es brennt - es brennt"

 

aus dem Schlafe geweckt hatten, ging es mit den Fahrzeugen über die holprigen Straßen in Richtung Feuerschein. Voran eilte die von Pferden gezogene Spritze und ihr folgte ein ebenfalls mit Pferden bespannter Mannschaftswagen, auch Beiwagen genannt. Nicht immer war das Ausrücken von Erfolg gekrönt, denn oft wusste man nicht sofort, wo es brannte bzw. wie weit das Feuer entfernt war. Die rings um unseren Ort liegenden, damals noch tieferen Wälder verhinderten die Fernsicht.

 

Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn es in den Brandberichten unserer Chronik unter anderem heißt: "15. August 1896: Nachmittag 8 Uhr alarmiert Feuer in Rachlau/Preussen, ausgerückt mit 14 Mann, gefahren bis Entenschenke, alsdann umgekehrt. Beiwagen fuhr Skoppe. Oder 12. Mai 1897: Alarmiert um 11 Uhr abends, gefahren bis Doberschütz, da aber das Feuer zu weit war, wurde umgekehrt, ausgerückt mit 8 Mann, Beiwagen fuhr nicht."

 

Über erfolgreiche Einsätze heißt es in der Chronik unter anderem:

 

Neschwitz, am 6. August 1904:

Alarmiert nachmittags 2 Uhr zum Feuer nach Luppedubrau. Unsere Spritze kam als Dritte in Tätigkeit, konnte aber wegen Wassermangel nicht voll arbeiten. Es brannten 5 Wirtschaften. Ausgerückt mit 15 Mann.

 

Neschwitz, am 21. September 1908:

Alarmiert nachts 11 Uhr zum Feuer nach Zescha. Es brannte das Bauerngehöft von Ernst Rentsch, Wohnhaus, Stall und Scheune. Unsere Spritze kam als erste in Tätigkeit. Ausgerückt mit 15 Mann, eingerückt früh 6 Uhr.

 

Nun noch einige statistische Zahlen, die der Chronik entnommen wurden.

 

In der Zeit von 1895 bis 1914, also innerhalb von 20 Jahren, rückte unsere Wehr 117 Mal aus, dass heißt, fast aller 8 Wochen vernichtete Feuer in Neschwitz und Umgebung vorwiegend Wohnhäuser, Ställe und Scheunen.

Während des Ersten Weltkrieges finden wir keine Aufzeichnungen in der Chronik. Erst wieder im Jahre 1919 begann man über die Tätigkeit der Feuerwehr zu schreiben. Von 1919 bis 1938 wurden 60 Brände registriert. Die Anzahl ist wegen des besseren baulichen Zustandes der Gebäude, insbesondere der Feuerstätten, wegen Brandschutzverordnungen und allmählicher Einführung des elektrischen Lichtes gegenüber dem erstgenannten Zeitraum wesentlich zurückgegangen.

 

Eine entscheidende Wende wurde im Jahr 1927 durch die Anschaffung einer Motorspritze erzielt. Die bisherigen Unterstellmöglichkeiten für die Feuerlöschgeräte wurden nun zu klein. Man erbaute deshalb 1928 in der heutigen Bautzener Straße das erste gemeindeeigene Gerätehaus. Bei der Wahl des Standortes ist die Wehr sicher von seiner zentralen Lage ausgegangen, hatte jedoch eine spätere Erweiterungsmöglichkeit außer Acht gelassen. Daher musste bereits 1937 ein neues Gerätehaus in der heutigen Kamenzer Straße errichtet werden. Zwischenzeitlich konnte im Jahre 1931 eine Sirene angeschafft und in Betrieb genommen werden. Ende der 30er Jahre wurden ein Löschfahrzeug und ein motorisierter Mannschaftswagen angeschafft, die jedoch während des Zweiten Weltkrieges eingezogen wurden. Jahreszahlen sind dazu momentan unbekannt.

 

Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges war nichts mehr vom einstigen Glanz unserer Feuerwehr übrig geblieben. Unter dem Wehrleiter Arno Weber richteten die noch verbliebenen Kameraden einzelne, wieder aufgefundene Löschgeräte her. Die beiden Handdruckspritzen, die 1927 beiseite gestellt worden waren, mussten instandgesetzt werden. Die schlechtere von beiden wurde zum Mannschaftswagen umgebaut. Als Zugmittel dienten wieder Pferde. Die Bauern Zschok und Lehmann hatten wohl den überwiegenden Teil der Spritzenfuhren zu leisten. Infolge häufiger Ausfälle der Energieversorgung wurde Kamerad Sperling erneut als Hornist tätig. Die einst schmucken Uniformen der Vorkriegszeit standen den Kameraden nicht mehr zur Verfügung. Holz- oder Igelitschuhe mussten anstelle von Lederstiefeln getragen werden. Oft folgten die Kameraden der Spritze mit Gartenschlauch- oder vollgummibereiften Fahrrädern zum Einsatz. Unter diesen erschwerten Bedingungen wurde unter anderem im Februar 1948 und Mai 1951 zu den Fabrikbränden Wetro ausgerückt, bei denen es jeweils zum Totalschaden des Ofengebäudes gekommen war, jedoch die angrenzenden Gebäude gesichert werden konnten.

 

Allmählich verbesserte sich die Ausrüstung. Erst wurde ein Tragkraftspritzenanhänger angeschafft und schließlich konnte 1957 unter dem Wehrleiter Walter Schiemann ein gebrauch­ter LKW zu einem einsatzfähigen Löschfahrzeug umgebaut werden. Bei diesem Fahrzeug war nur das Fahrerhaus geschlossen. Für die Mannschaft waren die dahinter ange­ordneten Sitze ohne Überdachung. Die Tragkraftspritze konnte von der Rückseite entnommen werden und die ande­ren Geräte waren seitlich zugänglich. Im Sommer 1958 sollte das 70-jährige Jubiläum gefeiert werden.

 

Unmittelbar vor dem Fest überraschte unsere Gemeinde ein verheerendes Hochwasser. Die Wassermassen standen vor dem Parkeingang bis zur Kirchhofsmauer und flossen in reißenden Strömen durch die Parkwege. In unermüdlichem Einsatz der Kameraden konnten die entstandenen Schäden unter Mitwirkung der Einwohner kurzfristig beseitigt werden. Somit stand der Festdurchführung nichts mehr im Wege.

 

Nach dem selbst aufgebauten Löschfahrzeug war 1959 eine neue Sirene die nächste technische Verbesserung. Am 2. Juni 1962 brannte eine große Waldfläche in der Nähe des Feuerwach­turmes am Hahneberg ab. Trotz unermüdlichem Einsatz vieler Feuerwehren war dieser Brand erst im fortgeschrittenen Stadium unter Kontrolle zu bringen.

 

Die personelle Stärke und die Schlagkraft der FFw Neschwitz wurden mit der am 4. Dezember 1962 gebildeten Frauenlöschgruppe entscheidend erhöht. Seitdem rücken männliche und weibliche Löschkräfte gemeinsam zur Brandbekämpfung aus.

 

Eine weitere technische Verbesserung sollte das 1963 anlässlich des 75-jährigen Jubiläums übergebene Löschfahrzeug darstellen, doch als bei Schnee und Kälte am 19. Februar 1964 der Offenstall in Neschwitz brannte, konnte es seine erste große Bewährungsprobe nicht bestehen, weil der Motor nicht ansprang. Mit geringen technischen Veränderungen konnte dieser Mangel kurzfristig abgestellt werden. Zum Waldbrand bei Jonsdorf rückte die Wehr am 14. Juni desselben Jahres erstmals erfolgreich mit dem neuen Fahrzeug aus.

 

Das 80-jährige Bestehen der Feuerwehr wurde 1968 gefeiert. 1971 wurde der Wehr ein Tank­lösch­fahrzeug S 4000 übergeben. Das 1937 erbaute Gerätehaus wurde abermals zu klein. Des­halb machte sich 1973 ein Umbau erforderlich; am Ende jedoch ging ein völlig neues Gerätehaus hervor.

 

In der Zeit vom 18. bis 20. August 1978 wurde das 90-jährige Jubiläum gefeiert und ähnlich wie 20 Jahre zuvor, waren wir Tage vorher unermüdlich im Einsatz, die Schäden eines Unwetters zu be­seitigen. Nach einer großen Hitzeperiode, während der die Feuerwehr sogar zum Bewässern der LPG-Felder herangezogen wurde, kam es zu einem Wetterumschwung. Am Nachmittag des 18. August zog ein Gewitter auf und der eineinhalb Tage andauernde Sturm und Starkregen ver­ursachte zahlreiche Schäden: es kam zu Überschwemmungen, Bäume stürzten um, Strom- und Tele­fonleitungen wurden zerrissen. Da in Kleinwelka ein umgestürzter Baum die Telefonleitung nach Bautzen zerstört hatte, waren Neschwitz und Königswartha vom Rettungsdienst abge­schnit­ten.

 

In den 80er Jahren wurde die Technik weiter modernisiert. So konnte 1984 das 21 Jahre alte Löschfahrzeug durch ein neues, auf dem aktuellen Stand der Technik stehendes ersetzt. Im September 1989 wurde das schon stark reparaturbedürftige Tanklöschfahrzeug S 4000 durch ein Tanklöschfahrzeug W 50 ausgetauscht. Dieses Fahrzeug ist heute im Bestand in der Ortsfeuer­wehr Saritsch, nachdem 1997 in Neschwitz ein TLF 16/45 Waldbrand in Dienst gestellt wurde. Ab etwa 1980 erfolgten schrittweise Verbesserungen bei der Alarmierung. Sirenen wurden zu­sam­mengeschaltet und ein damals modernes Sirenenansteuerungsgerät konnte in Betrieb genom­men werden. 1992 erfolgte die Ansteuerung der Sirenen über Funk von der Leitstelle Bautzen aus. Ab 1994 wurden nach und nach für die Kameraden Alarmruf­emp­fänger/Pieper angeschafft, so dass heute die Feuerwehr auch alarmmäßig ausrückt, wenn keine Sirene gelaufen ist.

 

Heute rückt unsere Feuerwehr immer öfter zu Unfällen im Straßenverkehr aus. Dabei werden wir auch mit viel menschlichem Leid konfrontiert. Mit Umsicht und Beherrschung der Technik gelingt uns aber auch Personen schonend aus lebensbedrohlichen Lagen zu retten.

 

In den zurückliegenden Jahren wurde in der FFw Neschwitz auch der Feuerwehrsport gepflegt. So führten wir auf den hiesigen Sportanlagen Wettkämpfe auf Wirkungsbereich-, Kreis- und Bezirksebene durch. Zwei besondere Höhepunkte waren die DDR-offenen Pokalwettkämpfe der Jungen Brandschutzhelfer in den Jahren 1988 und 1990. 1995 und 2008 wurden hier die Kreismeisterschaften im Feuerwehrsport ausgetragen. Die Neschwitzer gaben ihr Bestes, damit diese Veranstaltungen reibungslos ablaufen konnten.

 

Neben den Einsatzkräften bestehen in der FFw Neschwitz andere Formationen, die nicht mit zu den Einsätzen ausrücken, wie z.B. unsere Brandschutzgruppe: 1958 gegründet, war sie jahr­zehnte­lang auf dem Gebiet des vorbeugenden Brandschutzes tätig: zum Beispiel Brandschutz­auf­klärung in den Kindergärten, Brandschutzkontrollen in Haushalten, Betrieben und öffent­lichen Einrichtungen. Sicher haben diese Kameradinnen und Kameraden mit dazu beigetragen, dass die Anzahl der Brände in der Vergangenheit sehr gering gehalten werden konnte. Leider fehlen heute für diese Bereiche in den Freiwilligen Feuerwehren klare Aufgaben­beschreibungen.

 

Weiterhin hat die FFw Neschwitz eine Seniorengruppe. Schon immer haben sich die älteren Kameraden um Pflegearbeiten und handwerkliche Leistungen gekümmert. Am 16. Mai 1978 tra­fen sich die Neschwitzer Senioren zum ersten Mal zu einem gesonderten Dienst. Seitdem treffen sie sich in unregelmäßigen Abständen zur Traditions- und Kameradschaftspflege. Letzter Groß­einsatz der Seniorengruppe war bei der Bekämpfung des Reifenlagerbrandes 1997 in Wetro. Hier wurden buchstäblich alle Kräfte gebraucht. Die Senioren haben damals die Versor­gung mit sicher gestellt, Schläuche aufgetaut und getrocknet, Gerätschaften repariert, Einsatz­klei­dung getrocknet. Bei den Feuerwehrfesten halfen sie bei der Versorgung und auch bei Übun­gen waren sie auch schon als Statisten aktiv. Es sind Einzelaktivitäten, die sich schlecht auflisten lassen.

 

Die Neschwitzer Feuerwehrkapelle wurde unter dem Wehrleiter August Schubert zwischen 1909 und 1928 ins Leben gerufen. Eine genaue Jahreszahl ist dazu leider bisher unbekannt. In den 40-er Jahren sind die Aktivitäten der Kapelle in Folge des Krieges eingestellt worden. 1949 fanden sich erneut musikalische Kameraden und pflegte über viele Jahre eine zünftige Blasmusik. Wegen Nachwuchsproblemen musste sie sich 2006 auflösen.

 

Zu DDR-Zeiten war die feuerwehrspezifische Kinder- und Jugendarbeit in den Schulen angesiedelt. Es waren aber meistens die örtlichen Feuerwehren, die die Freizeit- und Übungs­stunden gestalteten, so dass diese Arbeit auch als Feuerwehraufgabe angesehen werden kann.

 

Die Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer wurde 1962 von der FFw Neschwitz und der Oberschule Neschwitz gemeinsam ins Leben gerufen. Bei Sport und Spiel lernten so insgesamt etwa 300 Kinder das brandschutzgerechte Verhalten und die Handhabung der Feuerlöschtechnik.

 

Unter dem Leitsatz "Gemeinsam geht’s besser" fanden sich die Arbeitsgemeinschaften Junge Brandschutzhelfer des ehemaligen Gemeindeverbandes zu gemeinsamer Feriengestaltung. In elf Spezialistenlagern mit einer durchschnittlichen Belegung von 70 Kindern wurde ein Teil der Sommerferien sinnvoll ausgefüllt. Aus dieser Zusammenarbeit entstand 1985 die Interessen­gemeinschaft Feuerwehrsport. Damit wurde die AG-Arbeit auf ein höheres Niveau gehoben.

 

Die Mädchen brachten es besonders weit, wie die erreichten Ergebnisse zeigen: 1985 DDR-Meister, 1985 2. Platz im Vergleich der Sozialistischen Länder (zuvor hatten die Wettkämpfer aus der DDR nur Plätze am Tabellenende erreichen können), 1986 Sieger im Bezirksausscheid, 1987 DDR-Meister, 1987 erneut 2. Platz im Vergleich der Sozialistischen Länder in Ungarn, 1988 Sieger im Bezirksausscheid und 1989 erneut DDR Meister.

 

Am 20. Oktober 1990 wurde in Neschwitz mit Unterstützung der FFw Neschwitz die Jugendfeuerwehr Sachsen gegründet. Arbeitsgemeinschaftsleiter aus dem gesamten Freistaat waren dazu angereist. Kurz darauf wurde auch in Neschwitz die Arbeitsgemeinschaft in eine Jugendfeuerwehr umgebildet. Seitdem wird in ihr die feuerwehrspezifische Kinder- und Jugend­arbeit fortgesetzt.

 

Die FFw Neschwitz war 1904 Ausrichter des 30. Verbandsfestes Lausitzer Feuerwehren und 1995 fand in Neschwitz der 3. Kreisfeuerwehrtag (nach der Neugründung) des Kreisfeuer­wehr­ver­bandes Bautzen statt.

 

Neuste Anschaffungen:

Neues Tanklöschfahrzeug 1997

Neuer Tragkraftspritze 2001

Neues Feuerwehrgerätehaus 2004

 

Die Jahre ab 1990 sind in diesem Text nur ungenügend berücksichtigt. Unwetter, Hochwasser und andere extreme Ereignisse haben die Arbeit der FFw Neschwitz entscheidend geprägt. Deshalb soll demnächst diese Abhandlung überarbeitet werden.

i Staatsfilialarchiv Bautzen, Rittergut Neschwitz, Nr. 1297.